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Reformation, Revolution und Flucht im 16. und 17. Jahrhundert in den nördlichen und südlichen Niederlanden

Dieses Angebot ist abgelaufen.

Inhalt

Form: Vorlesung, 5 x 2 h (10 Unterrichtseinheiten à 45 Minuten)
Zeit: donnerstags, 16-18 Uhr
Termine: 22.06. / 29.06. / 06.07. / 13.07. / 20.07.2017
Leitung: Univ.-Prof. Dr. Johannes Kramer, Romanistik
Weitere Infos und Online anmelden: https:/­/­www.­uni-trier.­de/­index.­php?id=61.­.­

Im späten Mittelalter entstand in den Niederlanden eine religiöse Reformströmung, an deren Spitze Geert Grote (1340-1384) stand und die unter dem Namen Devotio moderna bekannt ist. Zentren waren Zwolle und Deventer in der heutigen Provinz Overijssel. Es ging darum, die institutionalisierte Kirche mit ihren Ritualen und Würdenträgern für weniger wichtig zu halten als die Schöpfung individueller Beziehung zwischen den einzelnen Gläubigen und Gott. Jedes Mitglied der Glaubensgemeinschaft war für sich und sein Umfeld ohne Vermittlung von Klerikern verantwortlich. Geert Grote legte vor allem Wert auf die Bildung seiner Anhänger. Er begünstigte die Gründung von Laiengemeinschaften (die sogenannten Schwestern und Brüder des Gemeinen Lebens) und erklärte Frauen zu gleichberechtigten Mitgliedern der Gemeinschaften. Die Devotio moderna bereitete den Boden für religiöse Neuerungen in den Niederlanden. Von ihr geprägt waren beispielsweise Thomas à Kempis (1380-1472) und Erasmus von Rotterdam (1466-1536).

Politisch befanden sich die Niederlande am Ende des 15. Jahrhunderts im Umbruch. Karl der Kühne, der Erbe Burgunds, des Zwischenreiches zwischen Frankreich und Deutschland, war 1477 in der Schlacht von Crécy gefallen. Im selben Jahr wurde durch die Eheschließung seiner Tochter Maria von Burgund mit Maximilian von Habsburg die Basis des habsburgischen Reiches gelegt, das Spanien, die Niederlande und Österreich vereinigte. Die eigentlichen ökonomischen Zentren der Niederlande, wie Brügge, Gent oder Antwerpen, wiesen ein selbstbewusstes und gebildetes Bürgertum auf. Und es gab religiöse Erneuerungsbewegungen. In zahlreichen Beginen- und Begardengemeinschaften schlossen sich Frauen bzw. Männer ungeachtet ihres Standes zu geistlichen Gemeinschaften zusammen, um ein Leben in der Nachfolge Christi zu verwirklichen (der Beginenhof in Brügge kann noch heute besichtigt werden).

Die eigentliche Reformation erreichte Antwerpen 1520 mit lutheranischen Sendboten aus Deutschland, von denen zwei 1523 auf dem Großen Markt Antwerpens verbrannt wurden. Auch die Täufer wurden drakonisch bekämpft. Sie wiesen zwischen 1530 und 1560 die höchsten Opfer auf. Erfolgreicher waren dann die Calvinisten mit ihrer dem Erwerb weltlicher Güter gegenüber aufgeschlosseneren Weltanschauung. Sie fanden ab der Mitte des 16. Jahrhunderts zahlreiche Anhänger beim niederen Adel, der mit der lokalen Landwirtschaft verbunden war, und beim aufstrebenden reichen Bürgertum.

Karl V. (1500-1558) sah sich am Ende seines Lebens gezwungen, eine Teilung des habsburgischen Erbes vorzunehmen. Die Niederlande kamen zur spanischen Reichshälfte. In der Folge versuchte König Philipp II. (1527-1598) die Reformation mit Gewalt auszurotten; sein Generalstatthalter, der Herzog von Alba, richtete ein wahres Blutbad, de Spaanse furie, an. Vom Norden aus organisierte Wilhelm von Oranien den Widerstand. Im sogenannten Achtzigjährigen Krieg (1568 bis 1648) gelang es dem protestantischen Norden, das spanische Joch abzuschütteln.

Die kriegerischen Auseinandersetzungen der sechziger und siebziger Jahre des 16. Jahrhunderts führten zu einer beispiellosen Flucht der gebildeteren und reicheren Elite nach Norden. Die vielen Flüchtlinge aus den großen Städten wie Antwerpen, Gent oder Brüssel trugen maßgeblich zur Blüte des protestantischen Nordens bei. Antwerpen verlor mehr als die Hälfte seiner Bevölkerung und ging von 100.000 zu 42.000 Einwohnern, in der gleichen Zeit wuchs Amsterdam von 50.000 bis auf 150.000 Einwohner. Im Norden brach nun das Goldene Jahrhundert, gouden eeuw, an, während der bei Spanien verbleibende Süden kulturell in einem doktrinären Katholizismus erstarrte.

In der Republik der Vereinigten Niederlande im Norden entwickelte sich die niederländische Schriftsprache mit der Statenbijbel zu einem vollwertigen Ausdrucksmittel, wobei die Flüchtlinge und die Einheimischen einen in etwa gleichen Anteil an der Entstehung der neuen Standardsprache hatten. Der Süden war von dieser Entwicklung völlig abgeschlossen, und jede höhere Kommunikation wurde zunehmend auf Französisch erledigt. Das Niederländische sank zu einer unkultivierten Bauern- und Handwerkersprache lokaler Geltung ab. Der 1815 unternommene Versuch, ein Vereinigtes Königreich der Niederlande zu schaffen, scheiterte: 1830 entstand Belgien, das zunächst ein französischsprachiger Staat wurde und bis heute von einem Sprachkonflikt zwischen Französisch und Niederländisch gekennzeichnet wird.

Im Laufe der Veranstaltung werden die hier skizzierten Entwicklungen durch gemeinsame Lektüre von in Deutsche übersetzten Quellenschriften und durch Illustrationen nachgezeichnet werden.

Unterrichtsart
Vortrag

Termine

Für dieses Angebot ist momentan eine Zeit bzw. Ort bekannt:

ZeitenDauerArtPreisOrtBemerkungen
22.06.17 - 20.07.17 16:00 - 18:00 Uhr 4 Wochen (10 Std.) Nachmittags
Do.
max. 50 Teiln.
45 € Universität Trier, Campus I
54286 Trier

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